Velonummern

Vom genieteten Schild zur Versicherungs-Vignette.

Zürich führte bereits in den 1890er-Jahren nummerierte Fahrradschilder ein. Materialien, Formen und Farben wechselten mehrfach, bis 1933 einheitliche Erkennungszeichen und später ein schweizweit standardisiertes Versicherungsmodell entstanden.

Zürcher Velonummer aus der Zeit von 1902 bis 1909
Zeitliche Entwicklung

Mehr als ein Jahrhundert Zürcher Velogeschichte.

Die gezeigten Originale machen den Übergang von lokal produzierten Nummerntafeln zu schweizweit geregelten Erkennungs- und Versicherungszeichen sichtbar.

1893–1902

Die erste Generation

Die Nummer war aus Aluminium ausgestanzt. Eine dunkle Mittelschicht mit Eisenblecheinlage gab Kontrast und Stabilität; Nieten hielten die mehrschichtige Konstruktion zusammen. Ein Kantonswappen gab es noch nicht. Das Schild wurde vorne am Fahrrad befestigt und war von beiden Seiten lesbar.

Zürcher Velonummer 1515

  • Primärdesign
  • Aluminium / Eisenblech
  • H. Isler Söhne, Winterthur

Die frühe Bauweise erinnert eher an eine mechanisch zusammengesetzte Nummerntafel als an ein späteres geprägtes Kontrollschild.

1902–1909

Wappen und verstärkte Konstruktion

Die zweite Generation blieb mehrschichtig und genietet, erhielt jedoch eine kräftigere Eisenblechverstärkung. Neu kam ein emailliertes Zürcher Kantonswappen hinzu.

Zürcher Velonummer 1774

  • Pionierdesign
  • Aluminium / Eisenblech
  • H. Isler Söhne, Winterthur

Das Schild verbindet die ausgestanzte Nummer mit einem emaillierten Wappen. Die Kennzeichnung «Z» verweist zusätzlich auf den Kanton Zürich.

1910–1924

Die Ära der Emaille-Schilder

Bombierte Eisenblechschilder aus der Metallwarenfabrik Zug waren formstabil und in der Herstellung günstiger als die älteren Mehrschichttafeln. Rechteckige, ovale und herzförmige Varianten halfen, die Jahrgänge voneinander zu unterscheiden.

Emaille-Form 1911 / 1914

  • Emaille-Design
  • Bombiertes Eisenblech
  • Metallwarenfabrik Zug

Eine kompakte, abgerundete Form mit diagonal geteilten Zürcher Farben. Die Nummer dominiert, während das Jahr beziehungsweise die Form die Gültigkeit erkennbar machte.

Emaille-Form 1910 / 1913 / 1918

  • Emaille-Design
  • Bombiertes Eisenblech
  • Metallwarenfabrik Zug

Die schildförmige Variante zeigt, wie stark die äussere Form als zusätzliches Erkennungsmerkmal genutzt wurde.

Abart von 1917

  • Abart
  • Olivgrüne Emaille
  • Einzelstück

Der olivgrüne Hintergrund und die abweichende Wappendarstellung lassen sich keiner regulären Serie eindeutig zuordnen. Nach heutigem Wissensstand ist nur dieses Exemplar in dieser Ausführung bekannt.

Schwarzer Hintergrund ab 1921

  • Emaille-Design
  • Schwarzer Hintergrund
  • Zürcher Kantonszeichen Z

Wiederkehrende Formen ermöglichten die missbräuchliche Weiterverwendung älterer Schilder. Zusätzliche Formen und ein schwarzer Hintergrund erschwerten diesen Missbrauch.

Letzter Emaille-Jahrgang 1924

  • Letztes Emaillejahr
  • Bombiertes Eisenblech
  • Metallwarenfabrik Zug

1924 endete in Zürich die Phase der emaillierten Velonummern. Aluminium setzte sich als Material der nächsten Generation durch.

1924 und 1926

Muster und Prototypen

Die erhaltenen Muster zeigen, dass Form, Wappenposition, Schrift und Farbgebung vor der Serienproduktion erprobt wurden. Sie dokumentieren den Übergang von Emaille zu geprägtem Aluminium besonders anschaulich.

Muster 1924

  • Muster / Prototyp
  • Aluminium
  • Hersteller unbekannt

Ein hell lackierter Aluminium-Prototyp mit roter Prägung und ausgeschriebenem Kantonsnamen.

Muster 1926

  • Muster / Prototyp
  • Aluminium
  • Hersteller unbekannt

Ein runder Aluminium-Prototyp mit geprägtem Zürcher Wappen und schwarzer Nummer.

1925–1933

Aluminium in der Konkordatszeit

Geprägte Aluminiumschilder lösten die Emaille-Ausführungen ab. Der ausgeschriebene Kantonsname und die Jahreszahl waren direkt in das Schild integriert.

Zürcher Velonummer 99491

  • Konkordatszeit
  • Aluminium
  • Güller Söhne

Das 1925 geprägte Kontrollschild steht für die neue, leichtere und rationeller herstellbare Aluminiumgeneration.

1933–1951

Einheitliche «Erkennungszeichen»

Mit der neuen Bundesregelung wurden 1933 einheitliche Erkennungszeichen für Fahrräder eingeführt. Im Alltag blieb die Bezeichnung «Velonummer» gebräuchlich.

Erkennungszeichen 1933

  • Erkennungszeichen
  • Aluminium
  • Güller Söhne

Jahr und Kanton sind deutlich ausgeschrieben. Die grosse Jahreszahl macht die zeitlich beschränkte Gültigkeit sofort sichtbar.

1952–1960

Reflektierende Nummern und neues Format

1952 führte auch der Kanton Zürich reflektierende Velonummern ein. Das schmale Hochformat verbesserte die Sichtbarkeit und leitete gestalterisch zur späteren schweizweiten Norm über.

Zürich 52

  • Reflektierend
  • Aluminium
  • Güller Söhne / Egli Weber

Die blaue Beschriftung auf reflektierendem Aluminium steht für den Zürcher Jahrgang 1952.

1961–1988

Schweizweit einheitliche Gestaltung

Das Strassenverkehrsgesetz von 1959 schuf die Grundlage für eine schweizweit einheitliche Gestaltung. Kantonskürzel, Jahrgang und Versicherungsnummer folgten nun einem gemeinsamen Aufbau.

Zürich 73

  • Einheitsformat
  • Aluminium
  • Jahrgang 1973

Die rote Grundfarbe kennzeichnet den Jahrgang. Die dauerhaft eingeprägte Versicherungsnummer befindet sich am unteren Rand.

1989–2011

Die jährliche Versicherungs-Vignette

Ab 1989 wurden die Versicherungsangaben auf einer jährlich erneuerten Kunststoffvignette angebracht. Das rote Aluminiumschild blieb am Fahrrad, nur die Vignette wurde ersetzt. Ende 2011 wurden die obligatorische Velo-Haftpflichtversicherung und damit die Velonummer abgeschafft.

Zürich 89

  • Vignettensystem
  • Aluminium / Kunststoff
  • 1989–2011

Die Vignette kombiniert Kantonskürzel, Versicherungsnummer und Gültigkeitsjahr auf einem wiederverwendbaren Trägerschild.

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